Ein kleiner Gast...


wurde am ersten Ferienmontag von einer Gruppe Kinder in der Ferienbetreuung gefunden:

Eine kleine Fledermaus hatte sich im Türprofil unter der Eingangstür in den Schultrakt verkrochen.

Wie mag sie da wohl hingekommen sein?, fragten wir uns.  Möglich wäre, dass sie am Freitag Abend, als die großen Schultüren wegen des Zugangs zur Turnhalle offen waren, in den „Glaskäfig“ unseres Eingangsbereiches geflogen ist, dort von all den Scheiben irritiert war und sich verängstigt ein Versteck in einer Ritze gesucht hat…



Sehr vorsichtig und ganz leise, um das Tierchen nicht zu erschrecken, gelang es den Kindern und Betreuerinnen, es zu befreien. In einem Karton mit etwas Wasser konnte sich unser kleiner Gast erst einmal erholen und hängte sich auch schon bald auf der hinteren Rückwand des Kartons zum Schlafen hin.


Da Fledermäuse aller Art unter besonderem Schutz  stehen, wurde sofort telefoniert, um herauszufinden, was denn jetzt das Beste für „Luna“ – so hatten die Kinder sie getauft – sei.

Leider bekamen wir zunächst außer „Nur mit Handschuhen anfassen, nicht beißen lassen“ wenig konkrete Ratschläge. Ein Fledermausspezialist sollte her.  Leider war es mittlerweile Nachmittag geworden und die verschiedenen Fledermaus-Notfall-Telefonnummern waren nicht besetzt. So nahm Frau Dickmann das Tierchen mit nach Hause.

Gegen 10 Uhr Abends wurde es munter im Karton: Rascheln und Piepen.  Auf Frau Dickmanns Gartentisch krabbelte die kleine Fledermaus recht schnell herum. Dabei konnte man sehen, dass alle Gliedmaßen funktionierten und offensichtlich keine Verletzung vorlag. Luna bekam noch ein bisschen Wasser, dann musste sie zurück in den Karton, da Frau Dickmann versuchen wollte, sie an der Schule wieder auszusetzen, in der Nähe der Fledermausfamilie.

Leider blieb dieser Versuch erfolglos, denn wir wussten noch nicht, dass Fledermäuse nie vom Boden starten, sondern sich hinunterfallen lassen und dann ans Fliegen kommen.

Das stand in der Mail des Bonner Arbeitskreises für Fledermäuse, die am nächsten Morgen ankam. Außerdem wussten wir jetzt, dass Luna eine junge Zwergfledermaus ist. Und solche Jungtiere verirren sich wohl öfter mal…  Wir sollten Luna weiterhin Wasser geben, aber keine Nahrung anbieten, denn Fledermäuse können  - so sagte der Experte - auch im Sommer in eine Art Energiesparmodus fallen und durchaus ein paar Tage ohne Nahrung auskommen.

Nachdem Luna, wie es sich für eine ordentliche Fledermaus gehört, den Tag wieder hängend und schlafend im Karton verbracht hatte, sollte es nun abends wieder auf den Schulhof gehen, allerdings, wie nun bekannt, auf einen höher gelegenen Startpunkt.  Nach Besichtigung des Geländes entschieden wir uns für den großen Kletterbaum. Der Karton wurde geöffnet und Luna wartete schon darauf, ihn endlich verlassen zu können. Erst noch mit der Pipette ein paar Tropfen Wasser, das hatte der Herr von der Fledermausstelle geschrieben, dann krabbelte Luna munter los, immer weiter den Stamm hoch. Im Dunklen sah sie fast aus wie eine vierbeinige Spinne. Ab und zu hielt sie inne und spannte mal den rechten, mal den linken, mal beide der silbrig schimmernden Flügel aus. Sie schien sich auf dem Baum in der Nachtluft überaus wohl zu fühlen. Dann krabbelte sie zügig weiter nach oben. Mittlerweile war es immer dunkler geworden und man konnte nur noch ahnen, wo Luna sich befand. Sicher wartete sie nur darauf, dass ihre Geschwister, Eltern, Onkel und Tanten vorbeifliegen würden…

Und auch wenn wir so gerne gesehen hätte, wie Luna losflog – es war dunkel und Luna war hoch oben im Baum nicht mehr zu sehen. Bestimmt hat sie noch ein Weilchen gewartet, sich dann fallen lassen und die Flügel ausgebreitet …….. alles Gute, liebe Luna!